Wie Insurtechs Versicherung neu erfinden wollen

„Seit drei Jahren sind Insurtech-Startups ein Thema. Sie bieten nicht nur nützliche Lösungen für Versicherer und deren Vertrieb. Inzwischen entstehen in Deutschland immer mehr Online-Versicherer, die ersten von ihnen kommen auch nach Österreich. Hierzulande ist die „digitale Affinität“ aber noch niedrig.

Startup-Unternehmen haben sich vorgenommen, „Nischenprobleme“ zu lösen, die von großen IT-Playern nicht abgedeckt werden. Im Bereich der Versicherungen bedeutet das, dass immer mehr der „Platzhirsche“ Nischenlösungen von Insurtechs einkaufen.

Die Branche ist noch sehr jung. Die ersten Insurtech-Startups, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Versicherungsbranche zu revolutionieren, entstanden vor drei Jahren. Mittlerweile sind es in der DACH-Region mehr als 100 geworden.Konkrete Beispiele nennt Erika Krizsan, Managing Director der Consulting-Firma Insurcance Factory im Gespräch mit dem VersicherungsJournal.

Große Bandbreite

So habe die Wefox Group die Vertriebsprozesse mit dem Makler „neu angedacht“ und mit der Gründung der One Insurance Group auch die Versicherungsprozesse digital aufgesetzt.

Als weiteres Beispiel nennt Krizsan die Coya AG, die sich selbst als „Versicherung der Zukunft“ sieht und im Juni eine Lizenz der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen erhalten hat. Coya will laut eigenen Aussagen „in den kommenden Wochen“ erste Versicherungsprodukte auf dem Markt positionieren.

Hinzu kommen einige App-Anbieter wie die Clark Germany GmbH. Diese ist selbst als Versicherungsmakler tätig und will „Technologie mit persönlichem Service“ kombinieren. Die App ermögliche es, Versicherungen digital zu managen, wobei Beratungsalgorithmen den Gesamtmarkt analysieren.

Versicherungsverwaltungs- und Vergleichs-Apps kommen unter anderem von der Schweizer Knip AG, die in Kürze auch mit einer Web-App starten will, und der deutschen Feelix GmbH. Letztere bietet auf ihrer Website eine virtuelle Toolbox samt digitalem Finanzplaner, Vertragsordner und automatischem Vertragscheck sowie Experten-Support an.

Digitale Lösungen von Insurtechs

Krizsan gliedert die Art der Angebote von Insurtech-Startups in drei Gruppen. Die erste seien digitale Lösungen, die von bestehenden Versicherern gegründet werden, wie zum Beispiel die Element Insurance AG, die Codecamp:N GmbH aus Nürnberg oder die Nexible GmbH aus Düsseldorf, ein digitaler Kfz-Versicherer, der mittlerweile auch in Österreich aktiv ist.

Eine weitere Gruppe versuche, „die Kundenerlebnisse bei Versicherern auf digitaler Basis aufzubauen, digitale Prozesse für mehr Effizienz zu gestalten oder sogar Geschäftsmodelle und Serviceangebote neu anzubieten“, so Krizsan.

Schließlich würden manche Startups Teile der Wertschöpfungskette „innovieren“ oder sogar eigene digitale Versicherungen gründen. Zu letzteren zähle neben der Coya AG auch die Ottonova Holding AG, eine in München ansässige Insurtech-Firma, die eine digitale Krankenversicherung aufgebaut hat.

Digitalisierungsdruck steigt

Kritisch sieht Krizsan die Situation in Österreich: „Es existiert auf Kundenseite das besondere Bedürfnis, persönlich beraten zu werden und dann auch abzuschließen.“ Die Prozesse würden anschließend aber nicht vollständig digitalisiert: „Man kann sagen, es besteht eine sehr niedrige digitale Affinität.“

Kunden würden von ihren Beratern sehr verwöhnt, aber oft nicht einmal wissen, bei welchem Versicherer sie Kunde sind. „Sie wissen aber genau, wen sie anrufen müssen, um zum Beispiel einen Schadenfall zu melden“, kommentiert Krizsan die Marktsituation.

Das sei einerseits „zweifellos gut“, andererseits mangle es aber an Effizienz, da sehr viele Vorgänge manuell getätigt werden: „Mit höherer Effizienz könnte mehr Zeit für qualitativ hochwertigere Kundengespräche oder Neuakquise frei werden“, argumentiert Krizsan.

Es nahe allerdings die Zeit, da die neue Generation, gewöhnt und verwöhnt durch im E-Commerce gelernte Prozesse, auch von den Versicherungen mehr Transparenz, Einfachheit und „Coolness“ verlangen werde, so Krizsan. Das führe dazu, dass Versicherungsangebote und Schadenabläufe immer mehr digital abgebildet werden müssen.“

Danke für den tollen Artikel! Michael Kordovsky